Aktuelle Meldungen

Shanghai: Die Führerscheinprüfung

06 Fuehrerscheinpruefung hoch

Ich habe bestanden! Um in China Auto zu fahren, genügt es nicht, in Deutschland einen Führerschein erworben zu haben. Man muss sich einer gesonderten Theorieprüfung unterziehen, und die hat es in sich! Aus 1569 möglichen Multiple-Choice-Fragen werden 100 ausgewählt, von denen mindestens 90 korrekt beantwortet werden müssen. Auf denjenigen, der des Chinesischen nicht mächtig ist, warten jedoch noch ganz andere Hürden: Zwar kann die Prüfung in Englisch (und weiteren Sprachen) abgelegt werden, doch ist die Übersetzung sehr zweifelhaft, und die der echten Prüfungsfragen deckt sich kaum mit der des verfügbaren Trainingsmaterials. Oftmals heißt es also einfach Raten.

Und so paukt man also wochenlang per App die Bedeutung chinesischer Straßenschilder, Polizeigesten, das chinesische Punktesystem (ja, auch hier gibt es ein „Flensburg“), Vorfahrtsregeln und Verhalten im Notfall. Sicher, vieles ist einem aus der Heimat vertraut, aber manches eben doch nicht: So darf man hier beispielsweise auch bei roter Ampel grundsätzlich rechts abbiegen, Lichthupen und Hupen sind in vielen Situationen durchaus erwünscht, und der Talverkehr hat Vorrang vor dem Bergverkehr. Wie die Umsetzung in der Realität aussieht, das ist sicher noch einmal ein gesondertes Thema.

Bevor man aber wirklich zur Prüfung schreiten kann, sind auch hier wieder viele Formalitäten nötig, zu deren Erledigung man im Polizeigebäude von Schalter zu Schalter geschickt wird. Der obligatorische Gesundheitscheck, für den ich eineinhalb Stunden quer durch die Stadt angereist bin, besteht in meinem Fall daraus, mit jedem Auge genau ein Symbol auf einer Tafel zu erkennen und ein Rot-Grün-Bild zu  entwirren. Ob damit tatsächlich meine gesundheitliche Eignung als Autofahrerin festgestellt ist?

So, alles Organisatorische erledigt, nun also zwei Wochen später noch einmal anderthalb Stunden Fahrt zur Polizei, und dann darf ich endlich vor einem Computer mit Kameraüberwachung Platz nehmen, um in 45 Minuten meine 100 Fragen zu beantworten. Ergebnis: 93 richtige – Glück gehabt!

Hübsch finde ich übrigens, dass man sich für die tatsächliche Ausstellung des Dokuments extra einen chinesischen Namen geben muss. Meiner wurde mir von den einheimischen Kollegen meines Mannes verliehen und geringfügig an den Klang meines deutschen Namens angelehnt. Er lautet 恩美慧 und bedeutet soviel wie “Gnade, anmutig, klug”. Damit kann man entspannt Auto fahren, oder?

 


 

Das Lingua-Team ist bekanntermaßen reisefreudig, und so hat es Claudia aus dem Admin-Team mit ihrer Familie für eine längere Zeit nach Shanghai verschlagen. Von dort berichtet sie künftig regelmäßig in unserer Rubrik wikiLINGUA über ihre Eindrücke aus der spannenden und wohl westlichsten Metropole Chinas.

15.11.2018